«Shoot»

Ein Fotoprojekt von Manfred Schiefer

Der doppeldeutige Titel verweist auf die Grundlage des Projekts – auf die Fotografie und auf Fassbinders Kurzfilm «Der Stadtstreicher», in dem eine Pistole eine maßgebliche Rolle spielt. Fassbinder liefert darin keine Geschichte, sondern Momentaufnahmen. Das ist der ideale Ausgangspunkt für die fotografische Arbeit mit der Perspektive auf Fassbinders Werk. Manfred Schiefer beobachtet und fotografiert unterschiedlichen Menschen in München, er begleitet sie unerkannt auf ihrer Fahrt mit der U-Bahn, ins Kino oder ins Restaurant, er verliert sie im Gedränge aus den Augen oder gibt sie auf, weil ihn eine andere Person, eine andere Momentaufnahme fesselt. In diese in weiten Teilen nicht vorhersehbare Struktur integriert der Fotograf Elemente, die für Fassbinder-Filme entscheidend sind, beispielsweise die für «Chinesisches Roulette» charakteristischen Spiegelungen. Die oft aus der Hand geschossenen und daher zwangsläufig groben Bilder entsprechen dem Ars-povera-Stil der frühen Fassbinder-Filme. Auch in der Präsentation der Bilder erweist Manfred Schiefer dem Film seine Referenz: Sie werden nicht wie in einer Fotoausstellung gehängt, sondern in eine filmische Abfolge gebracht und auf einem Bildschirm als Film präsentiert.