zum Stück

„Katzelmacher“ von Rainer Werner Fassbinder
Es spielen: Matija Pasch, Ernst Rockinger, Brigitte Ober, Michael Fromholzer, Daniela Zahnbrecher, Silvia Ober, Finn Bunte und Isabel Both
Regie: Silvia Ober
Dauer: ca. 60 min Premiere

Fassbinder selbst sagte, „Katzelmacher“ handle von einer Gemeinschaft, die zu jeder Gemeinheit fähig sei. Diese Gemeinschaft, das ist eine Clique junger Menschen, die in einem Münchner Vorort festsitzt: sprachlos, beziehungslos, antriebslos. Die Protagonisten agieren wie Aufziehpuppen, schlagen die Zeit tot, dreschen Phrasen und setzen vertraute Mechanismen in Gang. Dann kommt „der Andere“, zufällig ist er Grieche, genauso gut hätte er Türke, Kroate oder Italiener sein können. Allein durch sein Anders-Sein stellt er eine Bedrohung dar. Dabei hat „der Andere“ keine Möglichkeit durch sein eigenes Verhalten der Ausgrenzung, den Anfeindungen und Verleumdungen zu entgehen. Egal wie er sich verhält oder nicht verhält, er ist die Reizfigur an der sich aufgestaute Frustrationen entladen und diffuse Sehnsüchte offenbaren.

Und trotz allem, oder gerade deswegen, wollen wir mit diesem Stück unterhalten, wollen den Zuschauern Vergnügen bereiten und sie vielleicht sogar zum Lachen bringen. Wie gut, dass dies ganz im Fassbinderschen Sinne ist: „.....spannende Unterhaltung, das heißt Unterhaltung, die unterhält und spannend ist und nicht langweilt und nicht verdummt und nicht bestätigt, die in Frage stellt und Fragen provoziert, die im scheinbar Abgesicherten das „scheinbar“ transparent zu machen fähig ist, die dennoch Spaß macht, Freude, und nicht zuletzt dem, der den Spaß hat, Brüche und falsche Klebestellen in der eigenen Wirklichkeit zu entdecken. Lust macht, ein paar Widersprüche zu erkennen, aus denen unsere Wirklichkeit besteht.“ (R. W. Fassbinder, 1977)

zu Fassbinder

Ein wenig über Fassbinder „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“ - das Fassbinder-Zitat, das jeder kennt und das immer einen guten Grund zum Feiern, Trinken und sich die Nächte um die Ohren schlagen liefert, ist das erste was mir in den Sinn kommt, wenn ich den Namen Fassbinder höre. Allein für diesen Ausspruch liebe ich ihn. Den ersten Fassbinder-Film, den ich jemals gesehen habe fand ich grauenhaft. Das war im Deutschunterricht der 10.Klasse „Effi Briest“. Danach ging`s steil bergauf. Aber meine wirkliche Liebe zu Fassbinder habe ich erst mit seinen Theaterstücken entdeckt. Die sind wie Partituren, die unglaublich viel Gestaltungsspielraum lassen und gleichzeitig ganz klare Eckpunkte setzen, in deren Rahmen sich eine Art Choreographie erspinnen lässt. Sie stehen in einem merkwürdigen Spannungsfeld zwischen Naturalismus und Künstlichkeit, genau wie die Längen in seinen Filmen. Die sind so natürlich und unnatürlich zugleich, dass es manchmal richtig weh tut.

zur Person

Silvia Ober (Jahrgang 1969), Regisseurin und Theaterpädagogin, studierte Theaterwissenschaften und Theaterpädagogik an der LMU München, Schauspielunterricht am Bliss-Theaterstudio München, zahlreiche Produktionen als Schauspielerin, Theaterpädagogin und Regisseurin, ist u.a. tätig für den Kreisjugendring München-Stadt und die Volkshochschule München.